Mittwoch, 7. Oktober 2009

Denis Chernov

Heute schwadroniere ich mal wieder über eines meiner Lieblingsthemen: Sind inhaltsfreie Bilder auf hohem handwerklichen Niveau nun Kunst oder Tinnef? Ich behaupte ja Kunst, schließlich rezipieren wir Malerei des 19. Jahrhunderts im Museum nicht als Wanddekoration sondern eben als Kunst. Nur - und da tun sich viele Kollegen etwas schwer, es muss dann halt auch wirklich gut sein. Obere Kante. Darunter geht nichts. Deshalb zeige ich heute mal ein paar Bilder des ukrainischen Künstlers Denis Chernov. Der kann es wirklich. Hier mal pleinair:
Und noch besser ist er mit dem Bleistift. Leider sind aufgrund seiner Massenproduktion nicht alle Bilder gleich gut. Dieses schon:Also ein Hoch auf die gute russische Schule. Wer sich für den Künstler interessiert findet ein paar hundert Bilder auf dieser Seite.

P.S. Mein Professor Peter Angermann fragt bei solchen Bildern gerne: "Warum hast Du nicht einfach ein Foto gemacht? Da hättest Du Dir einige Arbeit gespart."

André Debus

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Peter Angermann hat da ja nicht ganz unrecht, besonders da solchen Zeichnungen oft ein gemachtes Foto vorausgeht, da frage ich: Warum zeigst Du uns nicht einfach das Foto b.z.w. stellst es aus? - Das geht doch schließlich auch.
Doch selbst wenn solchen Zeichnungen kein Foto vorausging, stellen sich da bei mir Fragen.
- Ich, zum Beispiel dachte früher mal, ich würde meiner Subjektivität näher kommen indem ich Sachen genauso zu malen versuchte, wie ich sie sah. Ich trieb das Spiel so weit bis einige Leute sagten " Toll, sieht ja aus wie ein Foto". Die Ernüchterung stellte sich ein.
Kein Wunder Fotokamera ist ja nichts anderes als ein nachgebautes Auge - deshalb ist ja die Fotografie mit unsrem Sehen so kompatibel.
Doch ich frage mich wirklich welchen Wert es hat ein Foto durch abzeichnen der Natur zu gewinnen, b.z.w. frage ich mich welchen Wert es hat eine Zeichnung durch abzeichnen eines Fotos zu gewinnen. Ist das nicht bloß eine bloße Beweisführung das es geht, gar das man es kann?
Das finde ich gar nicht interessant.

Rubin

André Debus hat gesagt…

Genau aus diesem Grund habe ich den Satz vom Peter hier eingestellt und zitiere ihn bei jeder Gelegenheit. Auf der anderen Seite muss aber auch sagen, dass wir trotz der Entwicklung der Fotografie viele Bilder des 19. Jhds. noch immer als Kunst begreifen. Für mich muss jemand halt so gut sein, dass er einfach deutlich besser ist als der Rest. Etwa vergleichbar mit einem Marathonläufer, was ich zwar bewundernswert finde, aber trotzdem gibt es zehntausende davon. Nur diejenigen, die dann den hawaiianischen Ironman gewinnen erscheinen uns vom anderen Stern. Zwischen Denis Chernov und einigen Künstlern aus unserem Umfeld liegt ein qualitativer Quantensprung in der Handwerklichkeit, der in meinen Augen Chernovs Bilder womöglich zu Kunst werden lassen. Solche Artikel, wie auch den über den in Londen lebenden Portraitisten streue ich gerne als Qualitätsschulung ein. Weil es halt doch den einen oder anderen Kollegen gibt, der sich wunderweiß was einbildet wie toll er ist, nur weil ihm dass jeder einredet und er keine Vergleiche kennt. Übrigens kannst Du Dir von Chernov auf artmesh Detailaufnahmen ansehen, dann weißt Du vielleicht eher wieso ich gerade ihn ausgewählt habe. Es bleibt interessanterweise im Detail immer noch pure Malerei. Sehr edle klassische Schule.

Anonym hat gesagt…

Na ja, auch das 19.Jhds. hat schon mehr zu bieten als so etwas, mit einen Singer, Ingres , Bouguereau, Gerome(*) kann das ja doch nicht mithalten und zudem waren die Leute damals contemporary, was man von der hier so geschätzten russischen Schule nicht behaupten mag. Und gerade von einen typische Portraitmaler des 19.Jhds. John Singer Sargent gibt es sogar Gemälde die über seine zeit hinaus weisen, zumindest die Malerei betreffend. Habe mir Denis Chernov schon mal auf artmesh angesehen und war z.B. über das fürchterlich unreflektierte scheinende, Klischeehafte Frauenbild des Malers einigermaßen entsetzt, noch mehr das es wohl keinen zu Stören scheint, von wegen Inhaltsfreie Kunst, auch Iinhalte die nicht so ganz beabsichtigt sind, sind welche. Also nochmal zu den Akten an Strand von Denis Chernov: Wäre der Wachturm ein Herrenmagazin, dann wären sie darin abgebildet.(Kleiner Scherz;-)
Also kurz: Ich find's nicht so toll!

Gruß,Rubin


*(die Liste lise sich endlos fortführen)

André Debus hat gesagt…

Danke für Deinen Beitrag, Rubin. Ich hoffe meine eigenen Beiträge ambivalent genug formuliert zu haben um nicht als Befürworter dieser Herangehensweise an die Kunst zu gelten. Seine Akte sind abgesehen von der teils abermalig hohen technischen Qualität allerdings eher komisch ;-).