Donnerstag, 20. Januar 2011

Spindluder

Keiner mag gerne darüber reden, aber eigentlich ist es doch bei jedem dasselbe. Um als Künstler tätig sein zu können, muss man sich irgendwie Geld zuverdienen. Klassischerweise arbeiten viele Künstler als KellnerInnen oder Taxifahrer. Engagierte Selbstständige machen eigene Malschulen auf oder verdienen anderweitig als Kunstlehrer ihre Brötchen. Und dann gibt es noch das kleine Staatsstipendium für notleidende Künstler: Arbeitslosengeld II.

Ich habe zuletzt ein Jahr als Möbelpacker und Hilfskraft für alles im Auktionshaus Weidler gearbeitet. Ein aufregender und vielseitiger Job, der mir viel Freude gemacht hat, allerdings nicht gut bezahlt war und zuletzt hat auch sich auch mein Ischias nicht mehr gut angefühlt. Jetzt habe ich umgesattelt. Nach einer netten Anfrage vom boesner arbeite ich jetzt in selbigem Großhandel. Das passt natürlich unheimlich gut zu meiner Ausbildung als Chemielaborant (meine Firma hat Farben hergestellt) und auch zu meiner mehrjährigen Verkaufstätigkeit in einem Baumarkt. Wie man sich vorstellen kann, bereitet es mir großes Vergnügen, jetzt drei Tage die Woche zwischen all den schönen Dingen umherzuwuseln und Kunden mit Wissenswertem zu beschallen. Und ich habe auch meinen Spind schon personalisiert und mir ein Luder zugelegt welches mich morgens freundlich grüßt:


Und ich verrate Euch noch was. So als aktuell noch amtierender Vorstand des BBK Nürnberg Mittelfranken: Es gibt in Nürnberg womöglich sechs bis acht Künstler, die tatsächlich einfach vom Verkauf Ihrer Kunst leben können. Also nicht verzweifeln. Dranbleiben. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich jede Woche noch 30 Stunden im Atelier arbeiten kann. Und diese Zeit nutze ich intensiv. Es kommen wieder bessere Zeiten.

André Debus

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo André,

du hast noch eins vergessen, die KünstlerInnen, die sich von ihrem/ihren reichen PartnerInnen finazieren lassen!

Liebe Grüße
Herbert Turetschek

Armin hat gesagt…

Ganze Opern könnte ich da singen!

(Nicht wenige Kollegen hören irgendwann einfach auf)

Dieses Schicksal teilen Bildende Künstler mit allen anderen, die in irgendeiner Form künstlerisch tätig sind: Musiker, Schauspieler, Schriftsteller …

Du tust was Du tust, weil Du es tust!

Dranbleiben! Weitermalen!

Gruß aus SB

Armin