Samstag, 19. März 2011

Das kann ich auch!

Wer ist nun der reichste Künstler der Welt? Murakami? Jeff Koons? Oder doch Damien Hirst? Alles falsch. Es ist Thomas Kinkade. Nie gehört? Sollte man aber. Denn Originale und Reproduktionen seiner Werke hängen in etwa 12 Millionen amerikanischen Haushalten. Seine Arbeiten werden in vierhundert „Showcase Galleries“ und zweihundertachtzig lizensierten „Signature Galleries“ angeboten. In dem mehrfachen Kunstmilliardär Thomas Kinkade hat Damien Hirst seinen Meister gefunden.

Thomas Kinkade: "Friedliche Idylle"

Dieser wissenswerte Fakt ist dem dritten, also eigentlich dem ersten Buch des Autorenteams Christian Saehrendt und Steen T. Kittl entnommen: Gebrauchsanweisung für Moderne Kunst. Obwohl mir schon die beiden anderen Bücher etliches Vergnügen bereitet haben, ist dieses doch mein Favorit. Es ist wieder vorrangig für Menschen geschrieben, die außerhalb des Kunstbetriebs stehen und einen Einblick erhalten wollen. Bitterböse wird mit dem Dünkel des geistigen Überbaus des Kunstbetriebs abgerechnet. Die üblichen Vermarktungsstrategien seitens der Galerien, Kritiker und Künstler werden aufgedeckt. Das Buch hält was der der Klappentext verspricht: Es ist ein Buch „für alle, die zeitgenössische Kunst immer wieder auf die Palme bringt, die aber keine Lust haben, als frustrierter Kunsthasser kampflos das Feld zu räumen“.



Besonders für Künstler empfehlenswert sind die letzten Kapitel. Hier werden die üblichen (Selbst-)Täuschungsmanöver vorgestellt, mit der sich die meisten Kollegen (ich schließe mich hier nicht aus), auf dem Markt bewegen. Einen Abschnitt, der besonders viele betrifft, möchte ich hier mal auszugsweise einstellen: „Ähnlich unangenehm können Bildfindungstechniken sein, die nach immer gleichem Schema ablaufen. Besonders gern greifen Künstler auf Konfrontationen von Gegensätzen oder Motiven zurück… schauderhafte Motivsynthesen… Der Künstler-Alchemist lässt einfach den Kopf weg wie bei René Magritte, lässt etwas zerfließen wie Salvador Dalís Uhr und verrenkt die Glieder wie bei Hans Bellmers Puppen… Die ganz persönliche Spezialität sind möglicherweise einige Science-Fiction-Elemente oder leere Sprechblasen: Das sagt mehr als tausend Worte. Voilà, Provinzsurrealismus vom Feinsten!“

Wieviele solcher Bilder haben wir schon gesehen. Da gefallen uns doch die von Thomas Kinkade besser.

André Debus

Donnerstag, 17. März 2011

Das Ende des Abfalls oder warum Altpapier nicht nur Altpapier ist.

Die n.b.k. in Berlin Mitte zeigt Karin Sanders Ausstellung des Büroabfalls der n.b.k. Büros. Ja, den Büroabfall, Papier, recyclebar, da an und für sich sauber und ordentlich, nur ein wenig von den Bürowerkern zerknüllt und aus der Form gebracht. Löcher in der Decke/dem Boden neben den Schreibtischen im Geschoss darüber, wo die Verwalter und Organisatoren von n.b.k. sitzen, sorgen für ständigen Nachschub. Und irgendwann wird der durchaus großzügige Ausstellungsraum vollständig mit reinem Altpapier gefüllt sein bis zur Decke und den großen Fensterfronten zur Chausseestraße.

Mal abgesehen davon, dass Karin Sander eine namhafte Künstlerin ist, mal abgesehen davon, dass es eine Leistung ist, mit Altpapier den Skultpurbegriff zu erweitern, ist es genial, auf diese Weise unser aller nachhaltige Zukunft auf diese Weise im Abfall zu suchen. Denn Abfall ist ebensowenig nur Abfall wie Unkraut nur Unkraut ist.

Danke, Karin Sanders!

Karin Sander, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2011
© Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

Karin Sander, Ausstellungsansicht (Büro des Direktors, 1.OG) Neuer Berliner Kunstverein, 2011
© Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

Karin Sander, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2011
© Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

Karin Sander, Portrait, 2011
© Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

n.b.k. Neuer Berliner Kunstverein
Karin Sander
5. März - 1. Mai 2011
Artothek // Video-Forum // Residency-Programm
Chausseestr. 128/129
10115 Berlin

Joas Sebastian Nebe

Sonntag, 13. März 2011

Alles Gute!

Wir sind in Gedanken bei unseren lieben Kollegen und Freunden Johann Sturcz und Erika Wakayama, sowie ihren kleinen Kindern, die in Utsunomiya wohnen, welches zwischen Tokyo und dem beschädigten Kernreaktor in Fukushima liegt.


Ihnen und allen anderen Menschen in Japan alles Gute.

André Debus